Diese vier Gründe stecken hinter Nackenschmerzen

Ich hoffe, ihr hattet trotz Corona ein schönes Weihnachtsfest und konntet die freien Tage mit euren Familien genießen.


Das letzte Thema 2021 behandelt Nackenschmerzen. Diese oder andere wirbelsäulenbedingten Schmerzen sind weltweit einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit und betreffen immer mehr Menschen (weltweit um die 330 Millionen). Ist das nicht erschreckend? Dabei ist es alters- und geschlechtsunabhängig und kann sowohl sportliche wie auch unsportliche Personen treffen.


Oft bessern sich Nackenschmerzen innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten wieder von selbst. Doch bei der Mehrheit der Betroffenen (50 bis 75 Prozent) kommen die Schmerzen immer wieder oder bleiben sogar dauerhaft. Wer damit zu tun hat, kennt die Sprüche sicherlich: Achte einfach auf eine „gute“ Haltung und deine Schmerzen gehen wieder weg. Nur gibt es dafür nicht einmal Belege aus wissenschaftlicher Sicht. Wie geschildert betrifft es eben auch sportliche Menschen, die eine gute Körperhaltung haben. Zu den folgenden vier Ursachen von Nackenschmerzen bzw. generell von muskuloskelettalen Schmerzen gibt es allerdings schon konkrete Studien, die zeigen, dass man besser in dieser Hinsicht aktiv werden sollte, bevor man mühsam seine Haltung zu ändern versucht und ergonomische Stühle, Tastaturen etc. anschafft...

  1. Schlechter Schlaf

  2. Bewegungsmangel

  3. Stress

  4. Verklebte Faszien

Auch Kinder entwickeln aus diesen Gründen Nackenschmerzen. In mehreren Studien wurden Personen ohne Nackenschmerzen mit Personen verglichen, die gelegentlich (eine Zeitlang) an Nackenschmerzen litten. Einige aus der Nackenschmerz-Gruppe entwickelten im Laufe der Zeit wirklich lästige Nackenschmerzen. Daraufhin schaute man, wie die Situation der zuletztgenannten Gruppe war, bevor sich die Schmerzen intensivierten. Es zeigte sich, dass diese Menschen zu kurz oder schlecht schliefen. Sie waren am Arbeitsplatz starkem Stress ausgesetzt, neigten eher zu einer depressiven Stimmung und waren auch in sportlicher Hinsicht nicht sehr aktiv. All das führte zu einer verstärkten Muskelanspannung im Nacken, diesomit im Laufe der Zeit zu den belastenden Schmerzen führten. Und selbst bei Kindern konnten die genannten Faktoren zu Nackenschmerzen führen. Dazu hatte man Neunjährige vier Jahre lang wissenschaftlich begleitet und festgestellt, dass besonders Müdigkeit und Schlafstörungen zu Nackenschmerzen beitrugen. Gleichzeitig stellten sich oft Kopfschmerzen, Bauchweh und Stimmungsschwankungen ein.

Fazit: Schlechte Haltung ist nicht zwangsläufig die Ursache von Nackenschmerzen


In einer wirklich guten Studie mit mehr als 1000 Teenagern zeigte sich, dass es keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Haltung und Nackenschmerzen gibt. Dabei gab es unter den Teilnehmern Personen, die eine eindeutig schlechte Sitzhaltung praktizierten und Personen, die eine aufrechte Sitzhaltung pflegten. Dennoch konnte man in keiner dieser Untergruppen besondere Vor- oder Nachteile in Bezug auf Nackenschmerzen beobachten. Selbst die Sitzhaltung bei der Arbeit beeinflusst die Anfälligkeit für Nackenschmerzen offenbar wenig, was bedeutet, dass auch ergonomische Bemühungen oft nur wenige Auswirkungen haben. Laut einer Studie, die 2018 in Physical Therapy erschien, könnte es durch ergonomische Maßnahmen lediglich zu einer etwas schnelleren Besserung bestehender Nackenschmerzen kommen. Somit sind ergonomische Vorkehrungen nicht falsch, aber eben wie bei Medikamenten werden nur die Symptome behandelt und nicht die Ursache.


Übrigens verklebte Faszien können nicht nur zu Nackenschmerzen, sondern auch zu Kopf- und Gelenkschmerzen sowie zu Schmerzen in jeder anderen Region des Körpers führen. Faszien sind jener Teil des Bindegewebes, der die Körperstrukturen (Organe, Muskeln, Knochen) netzartig umgibt, sie an ihrem Platz hält und gleichzeitig ihre Beweglichkeit ermöglicht. Wenn Faszien verkleben und verhärten, verliert der betroffene Körperteil oder die betroffene Muskulatur ihre Flexibilität und auch Nerven gequetscht werden, was dann zu (starken) Schmerzen führt, die in keinem Röntgenbild erkannt werden. Das ist natürlich wieder für Ärzte dann schwierig zu behandeln. Da kann ich euch wirklich nur einen Osteopathen oder guten Physiotherapeuten empfehlen, der euch dabei helen kann. Ich will hier auch nochmal betonen, dass es natürlich auch andere Ursachen gibt und man unbedingt auch ärztliche Rücksprache halten sollte, um eben auszuschließen, dass es schlimmere Ursachen hat. Aber tut euch selber den Gefallen und geht auch zu einem Osteopathen/ Physiotherapeuten. Die erkennen vielmehr und sehen euren Körper ganzheitlich. Denn nur weil euch die Schulter schermzt, heißt es nicht, dass da die Ursache ist. Oder wusstet ihr, dass zum Beispiel bei Frauen die Ursache eine entzündete Narbe nach einer Gyn-OP sein kann? Interessant oder? Ich habe in meinem Umfeld viele Osteopathen und Physiotherapeuten, was mich selber auch schon vor Eingriffen durch Ärzten geschützt hat. Noch vor nicht all zu langer Zeit wollte man mich operieren wegen extrem starker Rückenschmerzen. Es hieß, das käme von der Bandscheibe. Ich bin trotz der Schmerzen aus der Klinik und zu meiner Vertrauensosteopathin. Sie konnte feststellen, dass einfach mein Ischiasnerv akut entzündet war. Die Therapie hat natürlich auch gedauert, aber es war schonend, ich bin die Schmerzen los geworden und ich wurde nicht operiert, was einen Ausfall bedeutet hätte und eventuell noch Komplikationen und Reha zur Folge gehabt hätten. Also sucht euch immer noch einen zweiten oder dritten Experten für eine weitere Meinung.


Zu unseren Faszien zurück. Natürlich verkleben und verhärten Faszien nicht einfach so. Sie tun das infolge von Bewegungsmangel, auch Fehlhaltungen (Schreibtischarbeit) und Stress als häufigste Ursache. Damit sind verklebte Faszien eigentlich auch nicht die Ursache, sondern nur eine Folge der o. g. Ursachen. Dennoch ist es wichtig, verklebte Faszien als letztlich Ursache von Nackenschmerzen zu erkennen.


Bei Nackenschmerzen und natürlich auch zur Vorbeugung derselben sind somit die folgenden Maßnahmen hilfreich:

Gesunder und ausreichender Schlaf

Achtet bei Nackenschmerzen oder zu ihrer Vorbeugung auf einen gesunden, ungestörten und ausreichend langen Schlaf, auf eine für eure Bedürfnisse (Gewicht etc.) ideale Matratze und ein für euch bequemes Kopfkissen. Die ideale Schlafzeit soll zwischen 22 und 23 Uhr sein, wobei ich finde, das hängt natürlich davon ab, wann ihr aufstehen müsst. Aber ihr solltet schon mindestens 6 Stunden durchgehenden Schlaf bekommen. Achtet zudem darauf, dass euer Schlafzimmer gut gelüftet ist und auch entprechend abgedunkelt, denn nur so wird ausreichend Melatonin ausgeschüttet, was uns schlafen lässt. TV und unnötige technische Geräte gehören nicht ins Schlafzimmer, schaltet euer WLAN aus und verhindert unnötige Unruhequellen. Auch sollte man mindestens zwei Stunden vor dem Schlafen nicht mehr essen und eine Stunde nicht mehr Fernsehen, damit der Körper sich auf das Schlafen ausrichten kann und nicht mit Verdauen beschäftigt ist.


Sport und Bewegung

Wie so oft ist auch hier der Rat, achtet auf regelmäßige Bewegung. Denn wer seine Nackenmuskulatur mit mehr Bewegung stärkt, auch wenn es nur eine größere Schrittzahl pro Tag ist, ist gegen Nackenschmerzen besser gefeit. Ideal wäre es jedoch, zusätzlich zu Spaziergängen, Gartenarbeit o. ä. in jedem Fall ein gezieltes Training zu absolvieren, das auch Übungen für den Nacken miteinbezieht. Denn gerade Bewegung in Form von Gartenarbeit oder Hausarbeit (manche Menschen glauben, das sei Bewegung genug) überlastet häufig insgesamt oder führt zu einseitiger Belastung.


Stressmanagement

Kümmert euch überdies um einen gut organisierten und damit weniger stressigen Alltag und sorgt für ein gutes Stressmanagement mit reichlich Entspannungsmomenten für Meditation oder andere entspannende Maßnahmen. Dabei können auch sog. Adaptogene hilfreich sein, pflanzliche Mittel, die Ihre Stressanfälligkeit reduzieren, z. B. Rhodiola rosea (Rosenwurz). Das klingt immer so leicht, wenn der Tag doch eigentlich schon so voll genug ist. Das ist aber das Problem. Wir füllen unsere Tage und gönnen uns keine Ruhe. Es hilft schon, wenn man z. B. statt mit dem Auto mit dem Rad zur Arbeit fährt oder zu Fuß geht, wenn ihr nachdem ihr nach Hause kommt euch mal 20 Min. hinlegt und döst oder meditiert, wenn ihr euch einfach für einen Moment was gutes tut, was euch entspannt (Schwimmen, Spazieren, Malen, Töpfern, Yoga, Autogenes Training, Massage, Radeln, Walken...)


Sitzposition immer wieder ändern

Wer nun viel sitzt auf Arbeit sollte so sitzen, wie er es mag. Wichtig ist bei langen Sitzperioden, dass ihr immer wieder zwischendurch aufsteht und/ oder eure Sitzposition verändern. Denn selbst langes Sitzen in einer als optimal geltenden Position führt zu Verspannungen. Sinnvoll ist daher nicht eine bestimmte Position, sondern das Abwechseln verschiedener Positionen.


Faszientraining

Geht zu einem Experten und lasst euch das Faszientraining erklären und zeigen. Ich garantiere euch, es wird euch helfen. Es ist schon anfangs ziemlich schmerzintensiv je nach Körperstelle und Verklebung, aber ihr spürt eben auch schnell wie Verbesserung.


Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr und freue mich euch auch 2022 wieder interessante Beiträge vorstellen zu können, die hoffentlich dem ein oder anderen auch helfen konnten. Feier den Jahreswechsel ordentlich, denn das hat auch psychische Gründe. Wir lassen alles Schlechte zurück und schauen freudig auf ein besseres Jahr 2022!





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